Rechte von Ausländern: Wer darf was kaufen
Vor jedem Vergleich von Preisen oder Renditen gilt es, den grundlegenden Rechtsrahmen festzuhalten: Unter welchen Bedingungen kann ein europäischer Staatsangehöriger in jedem dieser Länder Immobilien erwerben?
Peru
Artikel 71 der Politischen Verfassung Perus garantiert Ausländern dieselben Eigentumsrechte wie peruanischen Staatsangehörigen, vorbehaltlich der Ausnahme des Grenzstreifens (50 km entlang der Landesgrenzen). Für einen ausländischen Käufer in Lima gibt es weder ein besonderes Verfahren noch Kontingente oder sektorielle Beschränkungen. Es ist einer der offensten Rahmen Lateinamerikas.
Kolumbien
Auch Kolumbien bietet ausländischen Investoren einen günstigen Rahmen. Ausländische Staatsangehörige können in Kolumbien ohne besondere Einschränkung Grundeigentum erwerben. Die ausländische Immobilieninvestition kann bei der kolumbianischen Zentralbank (Banco de la República) registriert werden, was die Rückführung von Erträgen und Kapital erleichtert. Die Transaktionen erfolgen in der Regel in kolumbianischen Pesos (COP), mit einem ausgeprägteren Währungsrisiko als beim peruanischen Sol.
Mexiko
In Mexiko ist der Rechtsrahmen komplexer. Die mexikanische Verfassung unterscheidet zwei Zonen:
- Ordentliche Zone: Ausländer können frei kaufen.
- Beschränkte Zone (zona restringida): 100 km entlang der Landesgrenzen und 50 km entlang der Küsten. Der direkte Kauf durch einen Ausländer ist verboten; die Referenzstruktur für Wohneigentum in diesen Zonen ist der fideicomiso (ein bei einer mexikanischen Bank errichtetes Treuhandverhältnis), der jährliche Gebühren und eine zusätzliche rechtliche Ebene mit sich bringt. Die Gründung einer mexikanischen Gesellschaft ist ein weiterer möglicher Weg, aber keine automatische Lösung: Die steuerlichen und operativen Folgen unterscheiden sich je nach gewählter Struktur erheblich. Die bei Ausländern beliebtesten Tourismusdestinationen (Playa del Carmen, Tulum, Los Cabos) liegen alle in der beschränkten Zone.
Die rechtlichen Informationen zu Kolumbien und Mexiko müssen bei qualifizierten lokalen Rechtsfachleuten geprüft werden, da sich die Vorschriften ändern können.
Peru (Lima)
Lima ist die wirtschaftliche, kulturelle und administrative Hauptstadt eines Landes mit gemäss neueren Projektionen rund 34 bis 35 Millionen Einwohnern. Lima Metropolitana zählte 2025 gemäss INEI rund 10,13 Millionen Einwohner, also rund 29,7 % der peruanischen Bevölkerung, und erwirtschaftet rund 45 % des nationalen BIP.
- BIP Perus: rund 289,22 Milliarden USD; BIP pro Kopf rund 8 452 USD (Weltbank 2024)
- Wachstum: leichte Kontraktion 2023, Erholung auf rund 3 % 2024 (IWF); Prognose 2026 um 2,8 % (IWF WEO), im lateinamerikanischen Vergleich relativ solide Entwicklung
- Währung: peruanischer Sol (PEN), von der BCRP gesteuerter Wechselkurs, relative Stabilität
- Immobilienpreise: BCRP-Korb von 12 Bezirken in Lima ~2 009 USD/m² im Q4 2025; Premium-, Neubau-, sehr gut gelegene Objekte oder solche mit Aussicht: Bandbreite 2 500–3 500 USD/m² (GlobalPropertyGuide/BCRP)
- Bruttomietrenditen als Richtwert: um 5 % bis 6,5 %, vor Steuern, Leerstand, Nebenkosten, Verwaltung und Unterhalt, nie garantiert (GlobalPropertyGuide/Adondevivir)
- Rechte von Ausländern: gleich wie für Inländer (Art. 71 Verfassung)
- Besteuerung der Mieteinnahmen von Nichtansässigen: Quellensteuer von rund 5 % (Regime PPHND) gemäss SUNAT, wenn der Mieter in Peru ansässig ist; die Modalitäten sind andere, wenn der Mieter nicht in Peru ansässig ist, bei einem peruanischen Steuerfachmann zu prüfen
Vorteile für einen europäischen Investor: klarer verfassungsrechtlicher Rahmen, relativ stabile Währung, in den Premiumsegmenten in USD notierter Markt, wachsendes Netz lokaler Fachleute, moderate Lebenshaltungskosten für die Verwaltung vor Ort.
Punkte, auf die zu achten ist: wiederkehrende politische Instabilität (häufige Regierungswechsel), weniger liquider Markt als in Europa, Erdbebenrisiko (Lima liegt in einer aktiven Erdbebenzone).
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Kolumbien (Bogotá, Medellín)
Kolumbien gehört zu den grossen Volkswirtschaften Lateinamerikas, hinter Brasilien und Mexiko, und liegt je nach Jahr beim BIP in einem ähnlichen Rang wie Argentinien oder dahinter. Bogotá, die Hauptstadt mit über 8 Millionen Einwohnern, ist ein bedeutendes Finanz- und Kulturzentrum. Medellín hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel erlebt und zieht eine wachsende Gemeinschaft von Expats und digitalen Nomaden an.
- BIP Kolumbiens: rund 418,82 Milliarden USD; BIP pro Kopf rund 7 919 USD (Weltbank 2024)
- Wachstum: je nach Jahr schwankend, rund 1–2 % 2023, um 2 % 2024 (IWF)
- Währung: kolumbianischer Peso (COP), historisch volatiler als der peruanische Sol
- Premium-Immobilienpreise (Bogotá, El Poblado in Medellín): rund 1 500–2 500 USD/m² je nach Gebiet (Richtwerte, lokale Quellen)
- Bruttomietrenditen: geschätzt rund 5–6 % (Richtwerte)
- Rechte von Ausländern: freier Zugang zum Eigentum, Registrierung bei der Banco de la República möglich
Vorteile für einen europäischen Investor: Dynamik der Märkte von Bogotá und Medellín, starke internationale Präsenz und Expat-Gemeinschaft, ausgeprägte Unternehmerkultur.
Punkte, auf die zu achten ist: Der kolumbianische Peso ist deutlich volatiler als der peruanische Sol; ein Investor, der in EUR oder CHF rechnet, muss ein erheblicheres Währungsrisiko einbeziehen. Die Sicherheitslage hat sich zwar verbessert, bleibt aber je nach Gebiet ein zu beurteilender Faktor.
Mexiko (Mexico City, Playa del Carmen)
Mexiko ist die zweitgrösste Volkswirtschaft Lateinamerikas. Mexico City mit über 21 Millionen Einwohnern im Grossraum ist ein Immobilienmarkt von grossem Ausmass. Die Tourismusdestinationen der Halbinsel Yucatán (Playa del Carmen, Tulum, Cancún) ziehen eine starke saisonale Mietnachfrage an.
- BIP Mexikos: rund 1 856,37 Milliarden USD; BIP pro Kopf rund 14 186 USD (Weltbank 2024), das grösste der drei verglichenen Länder
- Wachstum: rund 3,2 % 2023, um 1,5 % 2024 (IWF)
- Währung: mexikanischer Peso (MXN), relativ stabil, aber den Konjunkturzyklen der USA ausgesetzt
- Premium-Immobilienpreise (Mexico City, Polanco): rund 3 000–5 000 USD/m² je nach Gebiet (Richtwerte)
- Badedestinationen (Playa del Carmen): sehr schwankender Markt, bedeutende saisonale touristische Mietnachfrage
- Bruttomietrenditen: rund 4–5 % bei der langfristigen Wohnungsvermietung (Richtwerte)
- Rechte von Ausländern: frei in der ordentlichen Zone; fideicomiso in der beschränkten Zone erforderlich (Küsten und Grenzen)
Vorteile für einen europäischen Investor: grösster und liquidester Markt der drei Länder, starker internationaler Tourismus, entwickelter touristischer Mietmarkt in den Badedestinationen.
Punkte, auf die zu achten ist: Der fideicomiso bringt bei den touristischen Küstendestinationen Komplexität und Kosten mit sich. Die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA setzt den Markt den amerikanischen Zyklen aus. Die Sicherheitslage variiert je nach Region erheblich und muss im Einzelfall beurteilt werden.
Zusammenfassende Vergleichstabelle
Diese Tabelle fasst die wichtigsten Vergleichskriterien zusammen. Alle Daten sind Richtwerte und müssen geprüft werden.
| Kriterium | Peru (Lima) | Kolumbien (Bogotá/Medellín) | Mexiko (CDMX/Küsten) |
|---|---|---|---|
| Rechte von Ausländern | Gleich wie Inländer (Art. 71) | Frei, Registrierung optional | Frei (fideicomiso in der beschränkten Zone) |
| Premiumpreise als Richtwert | 2 500–3 500 USD/m² | 1 500–2 500 USD/m² | 3 000–5 000 USD/m² (CDMX) |
| Bruttorenditen als Richtwert | 5–6,5 % als Richtwert (brutto) | 5–6 % | 4–5 % |
| Währungsstabilität | Hoch (von der BCRP gesteuerter Wechselkurs) | Mittel (COP volatil) | Mittel (an die USA gebunden) |
| Rechtliche Komplexität | Gering für Ausländer | Gering bis mässig | Mittel bis hoch (Küsten) |
| Marktgrösse | Mittel | Mittel | Gross |
| Politisches Risiko | Häufige Regierungsinstabilität | Mittel, deutliche Verbesserung | Je nach Region unterschiedlich |
Quellen und Daten nur als Richtwerte. BIP-Daten: Weltbank 2024 (realisiert). Die Wachstumszahlen 2025–2026 sind Projektionen des IWF (WEO) und dürfen nicht mit realisierten Daten verwechselt werden. Bei lokalen Fachleuten im jeweiligen Land prüfen.
Makroökonomische Stabilität und Währungsrisiko
Für einen europäischen Investor, der sein Portfolio in EUR oder CHF bewertet, ist das Währungsrisiko ein wichtiger Unterscheidungsfaktor.
Der peruanische Sol (PEN) entwickelt sich nach Angebot und Nachfrage, im Rahmen eines Regimes flexibler Wechselkurse. Die peruanische Zentralbank interveniert jedoch punktuell, um übermässige Schwankungen zu begrenzen. Zudem ist der Immobilienmarkt von Lima häufig in US-Dollar notiert, was das direkte Engagement im PEN verringert, aber ein Währungsrisiko zwischen USD und CHF oder EUR schafft.
Der kolumbianische Peso (COP) zeigte historisch eine höhere Volatilität, insbesondere in Korrelation mit den Ölpreisen (Kolumbien ist ein Exportland). Bei einem Investor, der eine Immobilie in Bogotá gekauft hat, kann die Rendite seiner Investition in CHF durch die Schwankungen COP/CHF erheblich beeinträchtigt werden.
Der mexikanische Peso (MXN) ist stark mit dem amerikanischen Konjunkturzyklus und der Politik der Fed korreliert. Seine relative Stabilität gegenüber anderen Schwellenländerwährungen hängt mit der wirtschaftlichen Nähe zu den USA zusammen: ein Vorteil in Phasen amerikanischen Wachstums, ein Risiko in Phasen der Rezession.
Praktische Zugänglichkeit für einen europäischen Investor
Über den Rechtsrahmen und die Finanzdaten hinaus beeinflussen die praktischen Bedingungen, wie leicht ein europäischer Investor seine Investition aus der Ferne verwalten kann.
- Zeitverschiebung zu Europa: Lima (UTC-5), Bogotá (UTC-5), Mexico City (UTC-6). Ähnliche Distanzen von Europa aus, rund 12–13 Flugstunden ab Paris oder Genf.
- Sprache: Spanisch in allen drei Ländern. Die Verfügbarkeit französisch- oder englischsprachiger lokaler Fachleute variiert je nach Stadt. Lima zählt eine aktive französischsprachige Gemeinschaft und eine historische Schweizer Präsenz.
- Bankinfrastruktur: Alle drei Länder verfügen über funktionierende Bankensysteme für internationale Überweisungen. Kolumbien verfügt über einen Mechanismus zur Registrierung ausländischer Investitionen bei der Banco de la República, nützlich für die Rückführung.
- Verwaltung aus der Ferne: In allen drei Ländern ist die Mietverwaltung aus der Ferne über lokale Agenturen möglich. Qualität und Zuverlässigkeit dieser Agenturen variieren erheblich; die Auswahl des lokalen Verwalters ist in allen drei Fällen ein kritischer Schritt. Siehe unseren Partner Havenbnb Peru.
Spezifische Risiken jedes Markts
Keiner dieser drei Märkte ist frei von spezifischen Risiken, die ein europäischer Investor berücksichtigen muss:
- Peru: wiederkehrende politische Instabilität (das Land hatte in wenigen Jahren zahlreiche Präsidenten), erhebliches Erdbebenrisiko in Lima, weniger liquider Markt als die westlichen Märkte.
- Kolumbien: Volatilität des kolumbianischen Pesos, je nach Quartier und Stadt unterschiedliche Sicherheitslage, kürzliche Steuerreform mit höherer Besteuerung hoher Einkommen (indirekte Auswirkung auf den Markt für Prestigeimmobilien).
- Mexiko: rechtliche Komplexität des fideicomiso in den Tourismusgebieten, starke Konkurrenz auf dem touristischen Mietmarkt, wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA, je nach Region unterschiedliche Sicherheitslage.